PoH-Code: poh.37456
Gedenkwald für 65.000 ermordete jüdische Bürger Wiens
1987-12-31 – 1988-12-30

Foto: Nils Münger
Nils Münger · CC-BY-NC-4.0 · gams.uni-graz.at
Im Jahr 1987 pflanzten 400 Schülerinnen und Schüler im Auftrag der Stadt Wien in Erinnerung an die vom NS-Regime ermordeten Wiener Jüdinnen und Juden in Eßling 65.000 Bäume. Die Idee, in Wien einen Gedenkwald zu errichten, kam vom Bund sozialdemokratischer Juden – Avoda, insbesondere von Anne Kohn-Feuermann, der Vorsitzenden des Bundes, die auch als Kultusvorstand der Israelitische Kultusgemeinde fungierte. Der von der Stadtverwaltung ausgewählte Ort bildete eine Lücke im geplanten Grüngürtel um Wien. Der Gedenkwald stellt nicht nur eine symbolische Geste der Erinnerung dar, sondern erfüllt auch eine ökologische Funktion. Er hat ein Ausmaß von etwa sieben Hektar.
Die Pflanzungen wurden am 9. April 1987 begonnen. Den ersten Baum setzte der damalige Bürgermeister Helmut Zilk. An der Zeremonie nahmen außerdem der Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde Paul Grosz, Oberrabiner Paul Chaim Eisenberg und der israelische Geschäftsträger Gideon Yarden teil.
Historisch gesehen hatte das ausgewählte Areal für die Deportation und Vernichtung der jüdischen Bevölkerung keine Bedeutung, im Gegensatz zum Aspangbahnhof im 3. Bezirk (mit dem Aspern oft verwechselt wurde), von wo aus die SS die Deportationen der jüdischen Bevölkerung insbesondere in die Vernichtungslager Auschwitz, Maly Trostinec und Sobibor durchführte. Der Gedenkwald wurde zwar auf einem Teil des ehemaligen Flugfeldes Aspern errichtet, wo während des "Anschlusses" am 12. März 1938 deutsche SS-Führer eingetroffen waren, für die Auswahl des Ortes spielte dieser Aspekt aber keine nachweisbare Rolle.
Etwa ein Jahr nach dem Beginn der Pflanzungen, am 30. Mai 1988, eröffnete Bürgermeister Helmut Zilk den Gedenkwald mit der Enthüllung eines Gedenksteines auf einer Lichtung im Wald. Mit diesem Gedenkstein wurde die Dimension der antisemitischen Gewalt in der NS-Zeit erstmals genauer im Wiener Stadtbild benannt. Im Jahr 2017 wurde im Zuge der Entwicklung der Seestadt Aspern ein Projekt zur Aufwertung und Pflege des Gedenkwaldes durchgeführt. Dabei wurde auch ein neuer Steg in den Gedenkwald Aspern errichtet, auf dem die historischen Dimensionen des Ortes thematisiert werden. Neben der deutschsprachigen Inschrift gibt es auch eine Inschrift in hebräischer Sprache.
Canonical-Text
Quellen
- DERLA — Gedenkwald für 65.000 ermordete jüdische Bürger Wiens (80d0d873-40ad-4e44-8153-961189df4436) — DERLA — Gedenkwald für 65.000 ermordete jüdische Bürger Wiens
Bewertungen
- Zugang (ab 2026-07-18): Frei zugänglich
- Räumliche Genauigkeit: 4 — Genau
Lage & Karte
Kartenposition verfügbar (Punkt) · räumliche Genauigkeit: 4 — Genau
Textuelle Lagebeschreibung
Silberergasse 20, 1220 Wien
